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 Über den Fechtsport und den Verein

 
Ein Interview für Radio Berg, in dem über Fechten und den Gummersbacher Verein geredet  wurde.

 

(März 2007)

Michael Moll: Es geht heute um Fechten, denn wir sind heute beim Fechtsportverein Gummersbach!

Thomas Meier: Ja, Guten Abend Michael. Ich bin Thomas, Thomas Meier, ich bin der Vorsitzende des Vereins 'Fechtsport Gummersbach von 1890' und jetzt seit 2000 im Verein dabei und im Augenblick bin ich derjenige hier, der dafür sorgen muss, dass das ein bisschen läuft (Anmerkung der Internetredaktion: Seit Anfang 2008 ist Osman Uzgidis neuer Vorsitzender). Aber ich habe da Gott sei Dank eine ganze Menge Leute, die mir dabei helfen, und zwar sehr helfen. Das ist zum einen der Serban, unser Fechtmeister, und die Friederike, unsere Jugendwartin, die beide heute hier mit dabei sind.

Friederike von Spankeren: Ich bin Friederike von Spankeren, 18 Jahre alt, und seit 2001 im Verein und kümmere mich hauptsächlich um die Jugendlichen.

Serban Vlad: Hallo, ich bin Serban und seit 2003 der Trainer in Gummersbach. Ich bin nicht so jung wie Friederike, ich bin nämlich 55, aber noch immer im Verein ein Junggebliebener, der mit Begeisterung dabei ist!

Moll: Thomas, jetzt sagtest du ja gerade, 1890 ist das Gründungsdatum, aber wir brauchen natürlich nicht zu den Anfängen gehen, sondern uns interessiert, wie das Momentan bei euch so gegliedert ist. Ihr habt wahrscheinlich verschiedene Abteilungen was das Alter und den Leistungsstand betrifft, macht ihr da eine Trennung?

Meier: Ja natürlich trennen wir, wir können schlecht die Senioren mit den 8-Jährigen trainieren lassen. Man kann sagen, wir fangen mit acht Jahren an, manchmal auch schon früher, das kommt ein bisschen auf die Reife der Kinder an. Die Jüngsten bei uns sind sechs jahre alt und der Älteste ist weit über 70. Wir haben Gruppen von 8 bis 12 Jahren, von 13 bis 15, und ab 16 fechtet man dann mit den Erwachsenen zusammen, denn da ist der Leistungsstand auch schon relativ gleich. Was die jungen Leute durch Agilität einbringen, dass hoffen die älteren Leute durch Erfahrung wett machen zu können.

Moll: Ihr habt ja eine feste Trainingsstätte wo ihr trainiert, wo liegt das in Gummersbach?

Meier: Wir trainieren immer in der Sporthalle Steinenbrück, nicht besonders groß, aber für unsere Zwecke gerade ausreichend.

Moll: Zurück zur Jugendwartin: Wie oft trainierst du hier in der Woche?

v. Spankeren: In der Regel ein bis zwei Mal in der Woche.

Moll: Jugenwartin heißt, du kümmerst dich im die Jugendlichen, wie sieht so eine Arbeit aus?

v. Spankeren: Normale Teilnahme am Training, und wenn die Jugendlichen irgendwelche Anliegen haben, dann können wir die besprechen und außerdem helfe ich Freitags beim Meisterschafts- Fechten bei der Organisation.

Moll: Ein paar Worte zur Mitgliederstärke, wie viele Männlein, wie viele Weiblein sind hier?

Meier: Wir haben 70 Mitglieder im Verein, davon sind die meisten Jugendliche. Es sind ca. 30 Damen und 40 Herren, das heißt, die Herren sind in der Überzahl und gerade bei den Jugendlichen hätten wir gerne noch ein paar Mädchen mit dabei, aber letztlich hält es sich in etwa die Waage, weil bei den älteren die Damen in der Überzahl sind. Nach Altersklassen gerechnet, haben wir ungefähr 40 Mitglieder bis 15 Jahre und 30, die darüber hinaus sind.

Moll: Du sagtest eben, dass du seit 2000 dabei bist, wie bist du denn auf den Verein aufmerksam geworden?

Meier: Da muss ich vielleicht ein kleines bisschen ausholen: Den Verein als Fechtsport Gummersbach gibt es seit 2000, wir haben vorher eine Fechtabteilung des VfL gehabt und entschlossen uns 2000, einen selbstständigen Verein zu gründen, weil wir doch sehr stark abhängig waren und die Unabhängigkeit  hat uns doch sehr gut getan. Seitdem ist der Verein gewachsen, also ich denke, es war genau die richtige Entscheidung, die wir damals trafen. Ich war also schon vor 2000 im Fechtsport in Gummersbach. Ich bin 1994 nach meiner Aktiven-Laufbahn bei der Bundeswehr, wo ich auch schon gefochten habe, zurück in den Oberbergischen Kreis gekommen und habe dann hier nach einer Möglichkeit gesucht, diesen sehr attraktiven, spannenden Sport weiter ausüben zu können und damals gab es nun mal diese Abteilung des VfL Gummersbach, der ich 1995 gleich beigetreten bin.

Moll: Wo kommen die Leute des FSG genau her?

Meier: Von außerhalb des Oberbergischen Kreises kommt nur unser Fechtmeister Serban, aber sie kommen schon aus einem großen Umfeld des Kreises. Ich selber komme aus Wipperführth, wir haben Mitglieder aus Wiehl, Eckenhaben, aber auch ein ganzer Teil Gummersbacher. Gerade bei Personal, dass sich aktiv mit einbringt, denn es ist eine sehr zeitaufwändige Geschichte so einen Verein zu führen und das kann nur jemand machen, der ein bisschen Zeit investiert und auch geringe Anfahrtswege hat.

Moll: Herr Vlad, wie sieht so ein Trainingsabend bei Ihnen aus?

Vlad: Es sieht folgendermaßen aus: Wir fangen beim Training mit Aufwärmen und Dehnübungen an, anschließend wird Beinarbeit gemacht. Die Beinarbeit ist eine der wichtigsten Aspekte des Fechtens! Danach kommen Partnerübungen, Einzel-Lektionen und das geliebte Freifechten am Melder. Das Training geht nur eineinhalb Stunden für die Jüngeren, für die älteren zwei Stunden, nicht länger, weil beim Fechten außer der physischen Komponente auch die soziologische Komponente hinzukommt. Das heißt, ein Training kann von einem reinen Hobby- Fechter nicht länger betrieben werden, weil die jüngeren zu Schule gehen und Hausaufgaben machen müssen, die älteren haben vielleicht auf der Hochschule Vorlesungen oder sind beruflich eingebunden und möchten das Fechten als Ausgleich betreiben.

Moll: Zur Ausstattung eines Fechters: Man braucht ja Schutzkleidung um sich nicht zu verletzen, wobei ihr ja nicht mit scharfen Waffen kämpft, oder?

Meier: Natürlich fechten wir nicht mir scharfen Waffen, aber blaue Flecken gibts durchaus ab und zu, muss man ganz ehrlich sagen. Aber tatsächlich ist jeder Fechter ausreichend geschützt, sodass ihm nichts passieren kann. Die Fechtausrüstung die man haben muss: Eine Maske um den Kopf zu schützen, er trägt eine Unterziehweste und eine Jacke um den Oberkörper zu schützen, eine Hose, Handschuh... Es kann also nichts passieren! Es ist aber häufiger der Fall, dass wenn jemand neu zum Fechten kommt, kommt natürlich oft die Frage 'Wo kriege ich die Sachen her, und muss ich das alles gleich kaufen?'. Muss man nicht, wir stellen Anfängern eine Ausrüstung zur Verfügung und nach und nach kauft sich jeder Fechter seine eigenen Sachen zusammen.

Moll: Gibt es auch Leute, die völlig ungeeignet sind zum Fechten, bei denen man nach kurzer Zeit merkt, das wird nichts?

Meier: lacht  Das ist eigentlich ein Frage, die ich gerne an den Meister weitergeben würde. Ich selber habe noch niemanden gesehen, der völlig ungeeignet ist, aber vielleicht kann Serban da was zu sagen...?

Vlad: Diesbezüglich habe ich eine persönliche Meinung, die lautet, dass das Fechten die natürlichste Sportart der Welt ist. Viele werden jetzt fragend zu mir gucken, es stimmt aber, weil im Fechten wie im wahren Leben jeder Versucht, sich durchzusetzen und am Leben zu erhalten. Das bedeutet, man kann seine Stärken einsetzen und von den Schwächen des Gegners profitieren und auch dessen Stärken meiden. Deshalb kann jeder fechten, der es natürlich will. Wenn jemand "lang" ist, kann er seine Länge ausnutzen, wenn er klein ist, ist er im allgemeinen viel schneller. Ein fauler kann auch fechten, indem er sein Köpfchen einsetzt und sagt 'ich will mich nicht so viel bewegen, aber ich versuche die Fehler des Gegners auszunutzen um ihn reinzulegen'. Die haben natürlich nicht so gute Chancen wie einer, der fleißig ist und regelmäßig zum Training kommt und sich auch die Technischen Fähigkeiten aneignet um leichter Treffer setzen zu können.

Moll: Nun gibt es ja einen großen Unterschied zwischen Säbel, Florett und Degen, kannst du das mal ganz kurz beschrieben?

Meier: Für den Außenstehenden ist der Unterschied wahrscheinlich gar nicht so groß, da ist hinten ein Groff dran und vorne ein langer Stab, mit dem versucht man zu treffen, aber für denjenigen, der sich mit der Sportart beschäftigt ist da schon ein großer Unterschied. Zum Beispiel im Gewicht, während Degen die schwerste Waffe ist, ist Florett die leichteste. Von der Länge her sind alle ungefähr gleich. Das entscheidende jedoch die unterschiedliche Treff- Fläche. Beim Degen gilt der ganze Körper als Treff- Fläche, während beim Florett nur der Oberkörper ohne Arme und Kopf ist. Dementsprechend ist natürlich auch die Technik anders. Ich persönlich finde, das Florett ist die Waffe für die filigraneren Fechter, während Degen mehr was für die "Brachialfechter" ist, obwohl Serban das jetzt viel feiner ausdrücken würde, aber ich kann das sagen, weil ich selber Degen fechte. Das ist weniger für die Feinmotoriker, eher für die Grobmotoriker. So hat jede Waffe seine Eigenheiten und nicht jeder Degenfechter ist auch im Florett gut. Die meisten Mitglieder bei uns haben sich auf eine Waffe spezialisiert, aber die Grundfertigkeiten sind gleich, das Schritttraining machen alle gemeinsam und erst in der Lektion beim Meister und im Gefecht trennen sich die Waffen.

Moll: Wie sieht es mit Wettkämpfen aus? Es ist ja immer interessant, wenn man gegen andere Vereine antritt.

Meier: Nunja, es gibt im Fechten nicht so etwas wie eine Bundesliga. Die meisten kennen Fußball, unterteilt in verschiedene Ligen, das gibts hier nicht. Es gibt für uns im Rahmen des Landesverbandes, des Rheinischen Fechterbundes, Turniere, die wir auch besuchen. Diese Turniere sind nahezu jedes Wochenende. Man muss natürlich nicht an jedem Turnier teilnehmen, aber wenn man bestimmte Qualifikationen erreichen möchte, dann muss man auch bestimmte Wettkämpfe besuchen. Zum Beispiel haben wir im Augenblick eine unserer Fechterinnen, Christiane Engelking, die, dadurch, dass sie einige Qualifikations- Turniere im Bereich der B-Jugend sehr erfolgreich absolviert hat, derzeit qualifiziert ist für die Deutsche Meisterschaft.

Moll: Was muss denn jemand mitbringen, um bei einem Wettbewerb gut abschneiden zu können?

Vlad: Um überhaupt antreten zu dürfen, müssen alle Fechter einmal einen Lehrgang besuchen, um die Grundkenntnisse zu haben und eine Anfängerprüfung bestehen. Sie müssen dabei zeigen, dass sie die theoretischen und praktischen Aspekte des Fechtens beherrschen und dass sie mit dem Regelwerk vertraut sind. Wenn man auf Turniere fährt, dann hat man schon eine bestimmt Anzahl an technischen Aktionen, die man beherrscht und auch die Erfahrung, dass man die Gegenwehr des Gegenübers antrifft und diese überwinden muss um sich durchsetzen zu können. Fechten ist eine Kampfsportart, das heißt um auf Turniere zu fahren, muss man ersteinmal akzeptieren und auch wollen, dass man sich mit anderen misst und dass gute, bessere in dem Augenblick gewinnen können.

Moll: Jetzt würde ich gerne mal wissen, was denn das reizvolle am Fechten ist und warum ihr dabei seid!

Meier: Für mich ist das reizvolle, das Messen mit anderen. Es geht nicht darum, andere zu besiegen, sondern ganz einfach im Gefecht herauszustellen, bin ich in der Lage mehr Treffer zu setzen? Ich muss mich konzentrieren, ich bin auch körperlich gefordert im Gefecht; und das alles zusammen macht für mich eine Sportart aus, die vielen anderen überlegen ist.

v. Spankeren: Beim Fechten muss man sehr flexibel sein und es macht auch sehr viel Spaß. Es ist auch schön, dass man nach einem Gefecht von vorne anfangen kann, wenn irgendwas nicht so gut gelaufen ist. Außerdem kann man, wenn man sich vorher den Gegner genau anschaut, Menschenkenntnisse einbringen und es macht wie gesagt, sehr viel Spaß!

Vlad: Um sich durchzusetzen muss man sich erstmal selbst kontrollieren und beherrschen. Das bedeutet, Fechten ist in einem sehr großen Umfang ein Kampf mit sich selbst. um zu sehen, welche Grenzen habe ich, kann ich diese Aufgabe lösen oder nicht? Wenn ich sie heute nicht gelöst habe, kann ich mir Gedanken machen und mir vornehmen, sie beim nächsten Mal zu lösen. Es ist jetzt nicht so, dass man alle Aufgaben lösen kann, aber man kann immer wieder ein Stückchen schaffen und das ist das schöne beim Fechten, man kann sich verbessern und selbst überwinden.


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